Erste Hilfe bei Tieren

Allergie/Insektenstich
Bei einer allergischen Reaktion nach einem Insektenstich schwillt die betroffene Körperpartie an, und das Tier zeigt meist deutlichen Juckreiz. Lebensbedrohliche Folgen kann es haben, wenn der Insektenstich im Rachen liegt und die Atemwege zuschwellen. Stiche in der äußeren Haut behandelt man mit kalten Umschlägen und eventuellen Kalziumgaben zum Futter, z.B. als Trinkampullen.

Anfall
Epileptische Anfälle sehen meist dramatischer aus, als sie sind: Die Tiere fallen aus heiterem Himmel um und beginnen zu zittern bzw. mit den Beinen zu „rudern“. Nach wenigen Minuten erlangen sie das Bewusstsein wieder und verhalten sich ganz normal. Gefährlich wird es, wenn sich die Anfälle häufen oder länger andauern: Deshalb sollte das Tier auf jeden Fall medizinisch untersucht werden, auch wenn es sich wieder vollständig erholt hat. Einigen Anfallsleiden liegen Organerkrankungen zugrunde, andere gehen zentral vom Gehirn selbst aus, können aber mit Medikamenten behandelt werden. 

Augenverletzungen
Risse des Augenlids müssen unbedingt genäht werden, auch Verletzungen der Hornhaut, festsitzende Fremdkörper oder einen vorgefallenen Augapfel muss chirurgisch behandelt werden. Bei frei beweglichen Fremdkörpern kann man versuchen, diese mit Elektrolytlösung herauszuspülen. Autounfälle, massive Verletzungen oder Fensterstürze sind zumindest aufgrund des Schockzustandes immer echte Notfälle. Nehmen Sie deshalb in jedem Fall, auch wenn Sie äußerlich keine Veränderungen an Ihrem Tier feststellen können, Kontakt mit uns auf!

Herzversagen
Bei älteren Tieren mit Herzerkrankung kann eine starke Belastung (Bewegung, Hitze, Aufregung) zum plötzlichen Herzversagen führen. Doch auch starke Flüssigkeitsverluste, z.B. durch Blutungen, Durchfall, Erbrechen oder Verbrennungen, können über den Schock zum Herzversagen führen.

Das Gehirn nimmt Schaden, wenn es länger als drei Minuten ohne Sauerstoffversorgung ist, daher ist beim Herzversagen höchste Eile geboten: Bei Flüssigkeitsdefizit kann nur eine sofortige Notfallversorgung mit Infusionen das Tier retten. Liegt ein Herzschaden oder eine andere schwere Grunderkrankung wie z.B. Tumore vor, sind die Überlebenschancen trotz Wiederbelebung gering. Vorbeugend können Sie regelmäßig das Herz untersuchen lassen und Übergewicht vermeiden.

Hitzschlag
Werden Tiere an warmen Tagen in Autos eingesperrt, kann sich der Innenraum sogar im Halbschatten so stark aufheizen, dass es in kürzester Zeit zu einem Hitzschlag kommt: Die Tiere hecheln stark, taumeln und zeigen gerötete Schleimhäute (Zahnfleisch).

Kühlen Sie das Tier mit kaltem Wasser ab, insbesondere den Kopf, und massieren Sie die Gliedmaßen, um den Kreislauf anzuregen. Ist das Tier bereits bewusstlos oder erbricht es sich bzw. finden sich Anzeichen für einen Schock, sollten Sie sofort in die Praxis kommen.

Knochenbrüche
Brüche sind nicht immer als solche erkennbar. Besonders geschlossene Brüche, bei denen die Haut unverletzt bleibt, können unbemerkt bleiben oder wie eine Verrenkung oder Bänderverletzung aussehen. Erst durch eine Untersuchung und Röntgenaufnahme lässt sich das Ausmaß des Schadens beurteilen.

Prüfen Sie zunächst, ob das Tier einen Schock erlitten hat (siehe unten), und decken Sie dann die Wunde und den Knochen mit sterilem Verbandsmaterial oder einem frischen Handtuch ab.

Magendrehung
Bei großen Hunderassen kann es nach hastiger Nahrungsaufnahme zu einer sogenannten Magendrehung kommen. Sie erkennen diese daran, dass Ihr Hund unaufhörlich versucht zu erbrechen und sich seine Bauchwand hinter dem Rippenbogen immer mehr aufbläht. Eine solche Magendrehung ist ein absolut lebensgefährlicher Zustand und führt ohne sofortigen chirurgischen Einsatz binnen weniger Stunden zum Tod.

Schock
Bei allen Notfallsituationen sollten Sie das Tier zuerst auf Anzeichen für einen Schock untersuchen: Schnelle Atmung, rasender Puls, blasse Schleimhäute mit verzögerter Füllung nach der Druckprobe, niedrige Körpertemperatur (unter 37 °C) und kalte Gliedmaßen. Im späteren Stadium kommt es zu flacher, langsamer Atmung, unregelmäßigem Herzschlag und Reaktionslosigkeit.

Die Bekämpfung des Schocks hat Vorrang vor allen anderen Notfallmaßnahmen! Legen Sie das Tier auf die Seite und strecken Sie seinen Kopf. Stillen Sie starke Blutungen durch einen Druckverband.

Denken Sie daran, dass auch starke allergische Reaktionen, z.B. auf Insektenstiche oder Medikamente, zum Schock führen können.

Verbrennung
Bei Verbrennungen sollten die betroffenen Körperstellen sofort 20 Minuten lang mit kaltem Wasser gespült werden. Decken Sie offene Brandwunden dann mit sterilen Mullbinden oder einem frischen Handtuch ab und kommen Sie in die Praxis.

Vergiftungen
Besonders Katzen reagieren sehr empfindlich auf Giftstoffe und Kontaminationen des Fells. Aber auch Hunde können in ihrer Gier giftige Substanzen aufnehmen. Haben Sie die Aufnahme des Giftes beobachtet, sollten Sie das Tier und wenn möglich eine Giftprobe in die Praxis bringen. Nach Rücksprache mit der Giftzentrale können geeignete Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Denken Sie auch daran, dass Tabak, große Mengen von Kakao, Verhütungspillen und menschliche Arzneimittel für Tiere giftig sein können.

Haben Sie lediglich den Verdacht, es könnte eine Vergiftung vorliegen, sollten Sie zunächst mit uns  telefonisch Kontakt aufnehmen. Erbrechen tritt zwar bei vielen Vergiftungen auf, hat aber in den meisten Fällen eine andere Ursache.

Anzeichen einer Vergiftung können je nach Substanz sein: Erbrechen, Speicheln, Rötungen der Maulhöhle, Blässe, Durchfall, Zittern, Bewegungsstörungen, Atemnot, Husten, Teilnahmslosigkeit und Schmerzen, meist mit der Tendenz zur Verschlechterung.

Verletzungen
Neben Verkehrsunfällen und Beißereien können auch Stiche und Schusswunden starke Blutungen verursachen. Bei hellrot pulsierendem Blut droht ein rascher Blutverlust.

Binden Sie oberhalb der Wunde ab bzw. legen Sie einen Druckverband an und bringen Sie das Tier sofort in die Praxis. Falls die Wunde die Brusthöhle eröffnet, droht ein Lungenkollaps. Achten Sie auf saugende Atemgeräusche und pressen Sie eine sterile Abdeckung auf die Wunde am Brustkorb. Bisswunden sind meist infiziert und sollten, unabhängig von ihrer Größe, stets medizinisch versorgt werden.